Freitag, 15. April 2011

Satzwerk 15

auf der hintertreppe zum leben beißt sich die vernunft durch die landstriche ohne lücken im licht nistplätze in denen sich die heimat befindet zögerlich kauernd wie eine schüchterne meinung zum glück gibst du den stellvertretern keine chance sich aufzuwärmen auf deinen platz kommen sie mit einem lächeln daher absolut sicher das sie es schaffen werden aber du hast ihren einfachen tricks durchschaut ihre worte bleiben wie tote zündschlüssel vergessene umdrehungen sie legen stimmen in den raum warm weich nach vorne gebeugt atemwurzeln verzweigen an plätzen die du vernachlässigt hast jetzt gilt es worte zu säen aus liebe und das leben nicht abhängig zu machen von einem stempel rechts oder links oder von einem wunder an das andere glauben deren geschriebene gesprochene gedachte sätze nicht löschbar sind das netz ist unerbittlich alle spielzüge bleiben gespeichert die straßen auf denen du gegangen bist bleiben im andauernden licht tag und nacht und je weniger du zeigst umso unabhängiger bleibst du von wartenummern verfassungen zuständen zitaten kommentaren sondern nur mit dem leben deinem leben und der liebe von links und rechts auf augenhöhe ohne fußzeile ohne quellenverweis alles ist in dir das leben die liebe und die zuversicht

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Freitag, 8. April 2011

Satzwerk 14

wir schauten die bilder ab und die weite hatte nähe verschenkt hatte nahrung gegeben und leben gerettet die liebe war den worten angetan das war das leben und doch war es anders es war greifbar und verschwand die welt war eine zweite geworden und wenn wir uns annäherten verschwand sie wollte sich nicht gewöhnen hinter dem zungenbein die räume hinter der haut ein fenster ein wald aus undichtem gewächs eine gezogene linie auf der das lachen sich bis ins tal begab dort betonwurzeln auf der augenhöhe mit dem gelebten tag hinter den gräbern waren die beschnittenen bäume wie hochkreuze in den übergangsräumen kam die dunkle stimme besser zur geltung ohne unterlass ohne den heiseren aufschrei hattest du die welt auf pergament gezeichnet und ein paar ging nach hause die welt im arm sie hatten sie gekauft und blieben unbeirrbar nie fragten sie nach dir wenn sie sich nach den umständen erkundigten davon waren sie betroffen und deine augen erflehten ein leises wort eine berührung von schulter zu schulter einen herzschlag der sich in das unruhige gefieder atemloser gedanken legte und sie beruhigte nur danach sehntest du dich die umstände waren so wie sie waren und der schmerz war nur mühsam zum abschied bereit

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Freitag, 1. April 2011

Satzwerk 13

verwelkte straßenlaternen fallschatten prüfstände die hochnäsigen schreiben geschichte und niemand will ihre worte lesen aufnehmen verinnerlichen aber was bleibt in dieser zeit in der mut der angst gewichen ist die aufstiege sind unheimlich geworden sie loben die starken davon gibt es nichts schlimmeres als den gebeugten gang zur schaffung des eigenen vorteils die schlampigkeit die straßen haben keine haltestellen mehr mitten in der brust der städte klopft das unruhige herz die schatten sind grau und die preisschilder unkenntlich und mitten in der nacht erkennst du den kleinen unterschied zwischen vermissen und sehnen und es reißt eine unsichtbare trennlinie zwischen seele und herz dabei geht es am schluß immer darum das man an die menschen denkt die einem wichtig sind das man dafür dankt das man diese menschen kennt

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Freitag, 25. März 2011

Satzwerk 12

schlechtes gewissen war kein guter ratgeber die erinnerungen bekamen dann risse sinkflüge abstürze aus dem nichts änderte sich zu viele skeptiker versprachen dir das bleierne vom himmel als wenn man die welt reparieren könnte die lebenshöfe waren bereits zu groß und wir lernten nichts von den lektionen die uns das leben an anderer stelle zeigte die guten mächte hatten längst den kampf aufgegeben es gab noch nicht mal mehr windmühlenflügel die dauernden kurswechsel hatten nichts mehr übrig gelassen von aufrechtem gang träumten die liebenden abende aus der ferne konntest du auch im dunklen die flüsse betrachten den bäumen beim wachsen zuschauen und ihre blüten erahnen diese leuchtenden gewitter im verkommenen licht ungeschriebene buchstaben groß und klein verführten dich an den richtigen stellen und andere liebgewonnene menschen legten uns nester vor die türen unserer herzen und ihre worte schlossen stille abkommen mit unseren gedanken und waren bedingungslos es bedeutete so viel wenn man daran dachte das bald die frauen wieder ihre haut wie einen seidenen schal offenbarten an den plätzen die ich so oft mit dir geteilt hatte und in denen das licht sich ins glas setzte sich offenbarte und tag ein geschenk war vom preis befreit und sonnenblau

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Freitag, 18. März 2011

Satzwerk 11

verschämte angst zusammengezogen ein regal deines lebens war verloren gegangen zwischen den hauswänden klafften die strassen kläfften die worte an den zeitungsständen konnte man den manipulierten applaus günstig erwerben das sparte eigene gedanken und meinungen waren bequem geworden die welt war zum augenzeugen geworden griesgrämige zeitgenossen schrieben leerzeilen in ihre tagebücher sie reihten beweise für ihr unglück aneinander sorgfältig aufgelistet die fassaden trugen narben davon schenktest du eine zeitkarte und jemand schenkte ein überraschtes lächeln zurück das war ein moment den man erinnerte ein moment an den man sich erinnerte der blieb als zärtlichkeit in der kühle eines wagemutigen märzmorgens die straßenzüge bekamen andere gesichter das wasser blieb mächtiger als angenommen und in einer anderen welt verwaltete die demut den schmerz es war zu wenig übrig geblieben von den vorstellungen den plätzen die man mit dem eigenen ich füllen wollte längst reihten sie sich in die meldungen ein und übernahmen die regulierten worte und nichts blieb nichts blieb mächtiger als das eigene tun das niemand übernehmen konnte in der kühle eines wagemutigen abends im märz


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Freitag, 11. März 2011

Satzwerk 10

über die aufgebrochene wunde des winters hinweg unterwegs fusswärts auf dem kanal winken die beschriebenen seiten aus blattgold ein einziges langes gleichmässiges relief du atmest wären die wörter im gleichgewicht ein messer scharf wie kritik jemand hat die bewährten ankerseile abgeschnitten fremde kolonien von meinungen karawanen aus motorenfleisch eine stadt die sich teilt und berge wie ein fächer auf den sandbänken geriffelt perlmutt dieser eigene schimmer von licht über dem dunklen blau der nacht strohmänner und strohfrauen lohntütentiger kappen die welt sie sägen bäume sie leeren vitrinen der schlund der welt ein einziges schwarz wohin niemand weiss man würde so gerne zusammen halten man würde die welt so gerne zusammen halten aber man hält nur den schmerz der schneller vorbei sein kann als man vielleicht wollte dann weht eine blaue feder vorbei und am weg die katze mit der glocke am hals sie verabschieden sich und wünschen eine gute reise

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Freitag, 4. März 2011

Satzwerk 9

für das leben fandest du keine fahrschule die ampeln standen auf licht schonungslos hell keine schonung keine schonungen aus denen der himmel unverfälscht für das leben gab es zu häufig den tag der offenen tür sie hatten ihn in den gesichtsbüchern erfunden und bevor du wusstest was geschah war mehr geschehen als dir recht gewesen wäre wenn du gewusst hättest wie viele facetten schmerz haben konnte für manche war es ein privileg der zuwendung an den wänden hingen plakate von flüchtenden sie unterschieden sich deutlich von den flüchtlingen die welt brannte an den meeresufern die freiheit war stolz und hatte angst in den schaufenstern hingen menschen am fleischerhaken es gab preise zu gewinnen und hilfspakete nur das leben fand in keiner fahrschule statt sondern unentwegt gewagt manchmal leichtsinnig viel zu oft geplant zerstritten und sie suchten wege um sich nicht aus dem weg zu gehen und sie bewerteten alles in eine richtung dein leben bestand aus punktlisten stärker als die erfolge zählten die ausfälle es gab genügend wege um unglücklich zu sein und sich darin gut zu fühlen aber das wolltest du nicht nur ab und zu einen der mit dir dein leben durchquerte und dich mit vorsicht an den mogelpackungen den fälschungen vorbeiführte das leben war keine pauschalreise auch wenn viele danach lebten und sich in ihren vorgemachten lebensplänen eingerichtet hatten das konnte doch nicht alles gewesen sein nein das nicht und das nicht lieber wieder suchen und wenn es keine fahrschule gab wagen selbst in das unentwegte zu fahren es gab keine absicherungen keine versicherungen und viele entsicherungen an die du dich heranwagen musstest

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